Archiv für September 2009

10.10:Demonstration gegen Nation & Europa

Aufruf zur Demonstration gegen den Verlag Nation Europa in Coburg:

Die Zeitschrift „Nation & Europa- Deutsche Monatshefte“ wurde im Jahr 1951 von dem ehemaligen SS- Sturmbannführer Arthur Erhardt und dem ehemaligen SA- Obersturmführer Herbert Böhme gegründet. Die Zeitschrift erscheint monatlich und hat nach eigenen Angaben eine Auflage von 18.000 Exemplaren. Die in Coburg ansässige „Nation Europa Verlag GmbH“ ist Herausgeber dieser Publikation. Der Verlag stand noch bis 1996 unter der Leitung von Peter Dehoust, inzwischen ist Harald Neubauer Mehrheitseigner.

In seiner Selbstdarstellung setzt sich der Verlag „für ein einiges Deutschland in einem Europa freier Völker“ ein. Weiterhin ist erklärtes Ziel der „Schutz aller Völker vor Überfremdung, Ausbeutung und `globalisierender` Gleichmacherei“. Mit der Europakonzeption der neuen Rechten wollen sie ein gesellschaftliches Gegenmodell zum jetzigen „Zeitgeist“ entwerfen. Die wichtigste Publikation ist die eingangs erwähnte Monatszeitung „Nation & Europa“, welche als Wegbereiter und Ideengeber der intellektuellen Rechtsextremisten fungiert. Weiterhin gilt sie als das Strategie- und Theorieorgan mit dem großen Ziel die europaweit zersplitterte rechte Bewegung wieder zusammenzuschließen. Besonders gefährlich an dieser Zeitschrift ist, dass sie sich durch ihre intellektuelle Scheinargumention von den plumpen Naziparolen löst und somit ihren Ideen einen immer größer werdenden Einfluss auf die Gesellschaft erst ermöglicht.

Unsere radikale Kritik an diesem Verlag, welcher hier in Coburg ungestört arbeiten kann, soll nicht nur an seinem offensichtlichen nationalsozialistischen Aktivitäten hängen bleiben, sondern, im Weiteren durch eine umfassende Darstellung des vermittelten Weltbildes, kritisiert werden. Dieses rechtsextreme Weltbild beginnt in ihrem bereits im Namen angedeuteten Anspruch, die europäischen Nationen unter einzelstaatlichen Präferenzen zu einen. Es wird ein deutscher Nationalismus geschürt, welcher in einem vereinten Europa aufgehen soll. Dies mag auf den ersten Blick als Widerspruch erscheinen, wird jedoch wie folgt begründet: Großdeutschland soll in einem regionalistischen Europa die Führungsrolle bei der Wiedergewinnung der Identität der europäischen Völker zukommen. Da die USA wegen ihres enormen kulturellen und politischen Einflusses diesem Ziel im Weg stehen, richtet sich der gemeinsame Hass ganz besonders gegen diese Großmacht. Dies heißt nichts Anderes, als dass es nicht mehr nur um einen reinen groß-deutschen Nationalismus geht, sondern im Zuge der Vernetzung mit anderen europäischen nationalen Parteien und Strukturen um etwas größeres. Eine geschlossene Front der europäischen Nationalstaaten, welche jedoch jeweils ihre nationale Souveränität nicht aufgeben. Dieser europäische Block erstarkter Nationalstaaten hat dann die Möglichkeit, sich der „Hegemonialmacht Amerika“ entgegenzustellen und ein multikulturelles und daher vorgeblich schwaches Europa zu verhindern. Für dieses Ziel arbeitet Nation & Europa auf eine Einheit der innerdeutschen Rechten hin, im selben Zug aber auch für eine Zusammenkunft der europaweiten rechten Strukturen. Diese neue Rechte finden ihre Feindbilder nun nicht mehr in den Nachbarländer Polen, Belgien und Frankreich, sondern im ganzen nichteuropäischen Raum. Ob das „imperialistische Amerika“, der „politische Islamismus“ oder das „allumfassende zionistische Finanzsystem“ – der Feind ist übermächtig und nur das kleine kulturelle Dorf Europa steht dem entgegen. Asterix lässt grüßen!

Die rassistische Ideologie dieses Verlages zeigt sich natürlich dann auch in diesem geeinten weißen Europa. Die Aufnahme und Einbindung nichteuropäischer – also „nichtweißer“ – Menschen und damit sogenannter fremder kultureller Aspekte in die deutsche und europäische Gesellschaftsordnung wird unter der Propagierung der Theorie eines vermeintlich vorzuziehenden Ethnopluralismus abgelehnt. Dass sich hinter diesem Argumentationsmuster ein kaum versteckter Rassismus sehen lässt, ist nicht weiter verwunderlich. Um dieses Gegenmodell des Ethnopluralismus zu begründen und die Fehler in einer sogenannten multikulturellen Gesellschaft aufzuzeigen, gibt es in der Zeitschrift N&E die Rubrik „Neues aus Multikultopia“. In dieser Klatschspalte werden Nachrichten aus dem Alltag des kulturellen Zusammenlebens in Deutschland „gekonnt“ interpretiert. Eine umfassende Xenophobie gegen alles nichtdeutsche oder kulturell „europäische“ ist in jedem Artikel grundlegend. Straftaten durch Menschen mit Migrationshintergrund werden ohne Differenzierung der Umstände oder eine tiefere Betrachtungsweise erklärt. Damit wird eine grundsätzliche Abneigung gegen alles fremdländische vermittelt und durch Pseudobelege bewiesen, so dass die Artikel der Rubrik „Neues aus Multikultopia“ in einer triefenden Soße aus plumpen Rassismus schwimmen . Damit einhergehend wird dem Islam in Europa das Existenzrecht abgesprochen. Außerhalb der Grenzen Europas erscheint der Islamismus jedoch als Verbündeter und große Teile der Autorenschaft feiern ihn als „einzig ernst zu nehmender Gegner des ‚Amerikanismus‘“Diese ambivalente Haltung spiegelte sich nicht nur in Artikeln, sondern unregelmäßig auch in den Titelseiten der Zeitschrift wider. Während einerseits vor der Islamisierung Deutschlands und Europas gewarnt wird, zierte das Titelbild des Heft 07/08 – 2006 den iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad. Neben ihm steht auf dem Titelbild dick gedruckt: „Danke, Herr Präsident“. Angespielt wird auf dessen Leugnung des Holocaust.

Womit wir auch schon bei dem offen beschworenen Antisemitismus dieser Zeitschrift angelangt wären. Meistens zeigt sich dies in der Kritik an der Existenz des Staates Israel. Dass dieser Staat als Schutzraum des Judentums überhaupt erst notwendig wurde, ist eben geschichtlich direkt im Holocaust des dritten Reiches und der weltweiten Judenverfolgung begründet. Deswegen steht die Gründung Israels eng in Verbindung mit der hässlichen mordenden Fratze Großdeutschland und damit ist diese in der Geschichte verewigt worden. Aber genau dieses Bild von der mit Schuld und Blut befleckten Geschichte ihres Landes will die rechtsextreme Szene nicht wahrhaben und soll daher wieder rein gewaschen werden. Darum wird versucht, die Vergangenheit als falsche Geschichtsschreibung der Kriegssieger – im besonderen Amerikas – zu entlarven. Der herausgebende Verlag hat auch gleich ein Sammelsurium der unterschiedlichsten geschichtsrevisionistischen Bücher parat. Zum Beispiel „Der große Wendig Band 3 – Richtigstellungen zur Zeitgeschichte“ von Dr. Rolf Kosiek und Dr. Olaf Rose. Den Terror des Dritten Reiches glorifizierende Literatur ist natürlich auch mit dabei; zum Beispiel „Die SS- Sturmbrigade ‚Dirlewanger‘ “ von Rolf Michaelis. Die Niederlage des Dritten Reiches und dessen Auswirkung auf Deutschland verbinden sich dann in einem Theoriewirrwarr mit den heutigen Problemen des deutschen und europäischen „Volkes“. Ihre theoretische Deutung der „One World“ verstrickt die böse amerikanisierende Globalisierung, das ganze „zionistische Finanzspektrum“ und die übermächtigen multinationalen Konzerne miteinander. Alles verschwimmt zu einem großen Feindbild und findet auch Grund und Boden in den diffusesten Verschwörungstheorien. Dieses Konstrukt ist dann das neue Feindbild der Rechtsextremen im 21. Jahrhundert. Alle Probleme der Neonazis können darin ihren Ursprung finden.

Jedoch muss die Kritik dort weiter gehen wo die faschistische Ideologie ihre Grundlage bezieht. Diese sind in der bürgerlichen Gesellschaft zu verorten. Es muss uns um eine emanzipatorische Kritik gehen! Um Nationalismus zu kritisieren ist eine einhergehende Kritik an den herrschenden Verhältnissen nötig. Diese Gesellschaft reproduziert tagtäglich nationalistische Grundlagen. Eben diese Nation bildet die ideologische Grundlage für bürgerlich kapitalistische Staaten. Dieses Konstrukt beruft sich auf angeblich historische und naturgegebene Gemeinsamkeiten, die willkürlich festgelegt und immer wieder an aktuelle Gegebenheiten angepasst wurden. Dabei ist herauszustellen, dass es sich beim Begriff des Volkes ebenfalls um eine Konstruktion handelt Diese kollektive Identität dient vor allem der Ausgrenzung aller angeblich Fremden und schafft eine ideologische Grundlage für einen kritiklosen Zusammenhalt unter den als deutsch akzeptierten Staatsangehörigen; Eingebürgerte und ihre Kinder und sogar EnkelInnen gelten noch nach Generationen nur als geduldete Fremdkörper. Im globalen Kampf um nationale Souveränität, starkes Volksbewusstsein und kapitalistischer Verwertung stellen Nationalismus und Krieg einen weiteren Kontext zwischen Bürgerlicher Gesellschaft und Nazis dar. Des weiteren steht In der jetzigen Gesellschaftsform nicht die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt der Produktion, sondern die auf den Prozess der Geldvermehrung ausgerichtete kapitalistische Produktionsweise. Diese auf den Profit orientierte Produktionsweise hat als einziges Ziel, die stetige Vermehrung des Geldes um seiner selbst Willen und steht im Mittelpunkt unserer heutigen Gesellschaft und durchdringt komplett das Leben jeden einzelnen. Eine Befreiung des einzelnen ist nicht mehr möglich. Hier muss ansetzen, wer erkennen will, warum trotz gigantischen Globalen Reichtums noch immer massenweise Menschen an Hunger oder unzureichender medizinischer Versorgung sterben. Für uns muss eine Kritik in Zusammenhang von Staat Nation und Kapital stehen um die gesellschaftlichen Widersprüche zu offenbaren und zu verändern!

Daher heißt es: Nationalismus bekämpfen. Deutschland und Kapitalismus abschaffen.

Wir wollen hiermit kurz darstellen, für welche Ideologie dieser Verlag steht, und auch in ganz Europa in seiner widerlichen Monatszeitschrift „Nation & Europa- deutsche Monatshefte“ verlegt. Dieses einfache Aufzeigen reicht schon, um den nationalistischen und extrem gefährlichen Charakter dieses Verlages hervorzubringen. Wir wollen durch unseren Aufruf die Zivilgesellschaft informieren und darauf aufmerksam machen, was für ein Verlag hier in unserer Stadt ungestört arbeitet. Dieser Verlag dient als Wegbereiter der rechtsextremen Denkstrukturen und ist somit viel gefährlicher als der klassische Dorfnazi an der Ecke.

Also kommt heraus auf die Straße…

gegen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus !!!

Kein Nazi- Verlag „Nation & Europa“ hier in Coburg oder sonstwo !!!

Demo am 10.10.2009 am Spitaltor in Coburg um 14 Uhr.