Platzverweiße für Burschis!

Nachdem unser Artikel zu der aktuellen Diskussion über den Coburger Convent leider nur stark verkürzt oder bisher gar nicht in den Coburger Tageszeitungen zu lesen war, wollen wir ihn hier nochmals in voller Länge veröffentlichen.

Nach dem offenen Brief der Coburger Grünen ist nun auch endlich die Antwort des OB Kastner erschienen. Eine Distanzierung oder zumindest eine Auseinandersetzung mit den Vorwürfen, die die Grünen gegen den CC haben, ist nur oberflächlich zu finden. Vielmehr fühlt sich Herr Kastner wohl selbst angegriffen und in die Defensive gedrängt. In Folge dessen wird, anstatt sich wirklich mit dem CC zu befassen, mit den gleichen oberflächlichen Argumenten gearbeitet wie jedes Jahr. Die Grünen, ebenso wie die Gegendemonstrant_innen, würden den Coburger Convent „pauschal in die rechtsextreme Ecke stellen.“ Wir können weder in unserer Kritik noch in dem Text der Grünen eine solche Pauschalisierung finden! Vielleicht hätte sich Herr Kastner einmal etwas differenzierter mit unserer Kritik auseinandersetzen sollen. Unsere Kritik richtet sich nicht nur gegen ein vorhandenes, vor allem rechts ausgeprägtes Weltbild innerhalb der Kooperationen (ein Beleg hierfür wäre das Verfahren gegen einen Coburger Fuxmajor, der im Steinweg den Hitlergruß gezeigt hat), sondern auch gegen die streng hierarchische Organisation und die damit verbundene Unterordnung Einzelner zum vermeintlichen Wohl der Verbindung. Eben sowenig lässt sich abstreiten, dass der CC Sexismus sowie Homophobie reproduziert. Dies geht schon alleine aus den Gründen, warum der Coburger Convent sich als reiner Männerbund sieht, hervor.
Der von Herrn Kastner bzw. von den Korporierten als Totengedenken bezeichnete Geschichtsrevisionismus, ist nichts anderes als eine Verklärung deutscher Täter zu Opfern oder gar noch die Verehrung dieser als Helden, was jedes Jahr erneut bei den Reden, die bei dieser Veranstaltung gehalten werden, deutlich wird. Deshalb macht es keinen Sinn, dem Geschichtsrevisionismus auch noch Rechnung zu tragen und ihn als Totengedenken zu zelebrieren! Die Bezeichnung als Heldengedenken sehen wir daher als politisches Mittel, um auf diese Missstände hinzuweisen. Dass das Heldengedenken in den vergangenen 2 Jahren als Ökumenischer Gottesdienst deklariert wurde, hatte einzig und alleine den Zweck, Gegenproteste zu unterbinden – das Stören eines Gottesdienstes gilt als Straftat und kann mit bis zu 3 Jahren Freiheitsentzug geahndet werden – und somit Kritiker_innen in ihrem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu beschneiden.
Die Distanzierung des CC zu der Deutschen Burschenschaft bzw. der Austritt aus dem CDA ist für uns lediglich der Versuch einer Imageaufwertung. Trotz des Austritts und der vermeintlichen Distanzierungen haben die Studenten weiterhin Kontakt in Form von Waffenringen etc. mit offen rassistischen Burschenschaftlern. Daher hat eine solche Farce unserer Auffassung nach keinerlei Beifall verdient! Zu den „aufrechten Sozialdemokraten“ welche Mitglied im CC sind, fällt uns nur der alte Spruch „Wer hat uns verraten? …!“ ein.
Im Zuge der Argumentation des OB´s, wird auch die Extremismustheorie angeführt. In Coburg dürfe „weder für rechtsradikale noch linksradikale Umtriebe“ Platz sein. Hiermit werden wieder einmal Antifaschist_innen mit Neonazis, welche, wie nicht erst der NSU gezeigt hat, wohl auch vor Mord nicht zurückschrecken, gleichgesetzt. Ein in Coburg dringend nötiger Antifaschismus wird durch solche Aussagen wieder einmal delegitimiert bzw. diffamiert, während die Coburger Bevölkerung als „die gesellschaftliche Mitte“, welche frei von Rassismus und Diskriminierung ist, dargestellt wird. Dass dem nicht so ist, zeigt sich gerade während der EM! Die Extremismustheorie, welche wissenschaftlich so nicht bestätigt werden kann, konstruiert eine Polarisation extremer Auffassungen an den Rändern der Gesellschaft und verkennt dabei, dass rassistische Ressentiments auch oder gerade aus der vermeintlichen Mitte kommen. Auf den schlecht recherchierten Artikel über CArA im Verfassungsschutzbericht, auf den sich der Oberbürgermeister bezieht, haben wir uns schon oft genug geäußert und wollen darauf hier nicht näher eingehen.
Insgesamt hat uns die Antwort von Herrn Kastner enttäuscht. Der Inhalt zeigt, dass sich nur oberflächlich mit dem CC befasst wurde, bzw. einfach unter der Devise „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ die in den Verbindungen vorherrschenden Realitäten ignoriert werden. Anstatt offen auf eine Kritik zu reagieren, wird mit abgedroschenen Argumenten wie der Extremismustheorie oder Verfassungsschutzberichten um sich geworfen. Wir hoffen, dass sich Herr Kastner in Zukunft auch einmal mit unserer Kritik befasst – und diese vielleicht sogar versteht – anstatt sich gemeinsam mit den Verbindungsstudenten im Festzelt mit Bier zu befassen.
Wir hoffen, dass Herr Kastner sich auch zu unserer Kritik äußern wird.

Ihr ewig nervendes
CArA