Archiv für September 2012

Die ganze Pressemitteilung zum NPD-Sommerfest!

Pressemitteilung zum NPD-Sommerfest und „Gegenprotesten“

Als Reaktion auf das NPD-Sommerfest in Rottenbach will sich die Gemeinde Lautertal, wie die Neue Presse Coburg schrieb, als „weltoffen und tolerant darstellen“. Die anfängliche Begrifflichkeit eben einer Darstellung sagt schon eindeutig aus, was wirklich gemeint ist. Das Problem Rassismus als etwas fernes darzustellen, sich selbst, den Körper „Gemeinde“, als anders darzustellen und damit sich ganz klar vom „braunen Mist“ mit der Botschaft des Bunt-Seins abzugrenzen.

Doch diese Farce, und wir müssen sie so nennen, verklärt die Zahlen aus Lautertal. Mit 3,3 % der Zweitstimmen zur Bundestagswahl 2009 steht Lautertal für den höchsten Anteil an NPD-Stimmen im ganzen Coburger Landkreis. Coburg und auch sein Landkreis sind nicht bunt, wie es immer gerne dargestellt wird, im Gegenteil: Auch wenn sich die lokale Neonazi-Szene aktuell etwas streitet und spaltet, heißt das nicht, dass es keine gäbe. Selbst der Verfassungsschutz (dem aktuell nun wirklich nicht mehr zu glauben ist) geht bei der Gruppierung „Fränkischer Heimatschutz Coburg“ von mehr als 50 Mitgliedern aus. Das hier die Zahl höher liegt und auch sicherlich nicht alle NPD-Wähler und Rechte dieser Kameradschaft angehören, ist leider auch klar. Fest verankert in neofaschistische Netzwerke sind die hier in Coburg ansässigen Neonazis auch schon lange. Hier also von einer toleranten Gemeinde zu sprechen, scheint etwas hochgestochen, wenn nicht sogar gelogen.

Doch wenn man jetzt schon tolerant ist, wie verhält sich dann dieser tolerante Mensch? Gehen wir nur von der reinen Begrifflichkeit aus, die hier so hochgehalten wird, bedeutet Toleranz nur eine Duldung. Und selbst Goethe sagte, dass „Toleranz nur eine vorübergehende Gesinnung sein sollte: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Dass eben dieser tolerante Mensch hiermit auch die Neonazis, die hier „Feiern“, tolerieren müsste, hat dann zur Folge, dass es überhaupt ausgehend von diesem vor Toleranz strotzenden Bündnis gar keine Kritik an Menschenfeindlichkeit, wie etwa Rassismus und Antisemitismus, geben darf. Das Sommerfest und weitgreifende Rassismen in der Gemeinde sollen also fortleben dürfen. Somit ist die Toleranz das Grabmal der kritischen Reflexion, was toleriert wird, wird subtil abgelehnt, jedoch pragmatisch geduldet.

Doch hiermit hört das neugegründete Lautertaler Bündnis noch gar nicht auf, man stellt sich nun, um demokratisch und in den vorgegeben Richtlinien des Staates zu agieren, auch noch gegen jede Art von Extremismus. Links und Rechts ist gleichwertig und ich bewege mich in der gesunden, toleranten und demokratischen Mitte. Die Schlussfolgerung daraus: Meine Meinung, sofern sie Rassismen in sich trägt, kann ich frei äußern und leben, weil ich ja kein Extremist bin. Die fehlende Differenzierung zwischen einem „rechtsextremen und linksextremen“ Weltbild schafft nun auch eine wunderbare Essenz, von der ausgehend das vom Staat unliebsame, fortschrittliche Denken einer linken Bewegung, die seit Jahrhunderten für Emanzipation, Gleichheit und Freiheit einsteht, mit dem des Menschenfeindes „Nazi“ gleichgesetzt wird und somit ein Fortschritt in der eben nicht fehlerfreien bestehenden Ordnung vom Staat bewusst unterbunden wird.

Indem sich dieses Bündnis nun gegen jede Art von Extremismus stellt, das Problem des Rassismus nicht erkennt bzw. verklärt und Toleranz als das zu erreichende Ideal darstellt, verliert es ganz klar den Anspruch, sich gegen Faschismus zu stellen bzw. diesen bekämpfen zu wollen. Im selben Zusammenhang nun von Protest gegen die NPD oder gar Antifaschismus zu reden, verhöhnt jeden toten Menschen, der unter faschistischer Gewaltherrschaft, wie während der Shoa, oder aber rassistisch motiviert, wie es Tag für Tag auf der Welt passiert, umgebracht wurde.

Wir als CArA verurteilen dieses Bündnis, nicht etwa, weil es sich gegen Nazis öffentlich ausspricht, sondern weil es das Problem Rassismus nicht eindeutig erkennt bzw. bekämpft.
Wir verurteilen dieses Bündnis, weil es Antifaschismus als ein „Extrem“ darstellt und somit einen mehr als notwendigen Protest unterbindet bzw. verhindern will.
Und wir verurteilen dieses Bündnis, weil Verklärung und Gebet für uns nicht zu den Mitteln gehören, mit denen man Reaktionären entgegentritt.

Wir als CArA lehnen somit auch eine Kooperation mit diesem Bündnis ab, da es sich wohl nicht den Weg suchen wird, auf Erfahrungen anderer, weil sie „linksextrem“ sind, zurückzugreifen, und wirklich einen effektiven Widerstand gegen dieses Fest und die NPD im Landkreis voranzutreiben, sondern Rassismen durch die hochgehaltene Toleranz fördert.

Euer auf ewig nervendes CArA