Peter Dehoust

Ein alter, grauer Mann gebückt von der Qual des Alters, Jugendliche mit Flagge hinter ihm her. Laute Parolen sind zu hören. Dieser Mann, so alt und gebrechlich er ist, kann noch ganz schön schnell laufen. Die Jugendlichen scheint das Alter dieses Herren nicht zu stören. „Lasst doch den Alten in Ruhe“, riefen die durchaus erstaunten BürgerInnen auf den Coburger Marktplatz uns zu. Doch die Antwort kam prompt: „Dem Nazi darf keine ruhige Minute gegeben werden! Er ist ein Multifunktionär der rechtsextremen Szene und gibt das Nazi-Blatt Nation Europa mit heraus!“

Es handelt sich bei dieser kleinen Geschichte um den zweiten Volksverhetzungsprozess gegen den Coburger Alt-Nazi Peter Dehoust im April des Jahres 2009. Nachdem er 1995 schon rechtskräftig deswegen verurteilt wurde, musste er wieder auf die Anklagebank, diesmal wegen Aufklebern mit der Aufschrift: „Scheiß Deutsche, wehrt euch gegen Inländerfeindlichkeit“. Die Coburger Justiz stellte diesmal das Verfahren ein. Die anwesenden AntifaschistInnen begleiteten Peter Dehoust noch lautstark durch die Innenstadt zu seiner zentral gelegenen Wohnung.

Aber warum der ganze Wirbel um diese Person? Der Grund ist einfach: Peter Dehoust ist seid 1959 in der extrem rechten Szene vor allem als Autor und Verleger aktiv. Des Weiteren gründete er verschiedene neonazistische Parteien und Organisationen. Aber beginnen wir am Anfang:
Peter Dehoust wurde 1936 in Heidelberg geboren. Schon während seiner Studienzeit gründete er den „Bund Nationaler Studenten (BNS)“ mit, der sogleich ’62 wieder verboten wurde. 1960 wurde er Redakteur des Organs des BNS „Deutscher Studentenanzeiger“, dessen Herausgeber und Verleger er bis 1978 war. Ab dem Verbot wurde der NHB („Nationaldemokratischer Hochschulbund“) gegründet, der den „Deutschen Studentenanzeiger“ weiter betrieb.

Ende der ’60er Jahre fing seine NPD-Parteikarriere an. 1968 wurde er Bezirksvorstandsmitglied der NPD Oberfranken und erster Vorsitzender des Kreisverbandes Coburg, zwei Jahre später wurde er auch NPD-Landtagskandidat. 1972 wurde Dehoust in den Landesvorstand der bayrischen NPD gewählt. In dieser Funktion organisierte er die von ’75 bis Anfang der ’90er stattfindende NPD-Sonnwendfeier im thüringisch-bayrischen Grenzdorf Rottenbach mit jeweils mehreren hundert Neonazis. 1990 besuchten diese Feier mit der Forderung zur „Wiederherstellung des gesamten Deutschen Reiches“ 600 Neo- und Altnazis aus ganz Europa, inklusive der jetzt verbotenen Wiking-Jugend und dem Nazi-Barden Frank Rennicke. Auch noch in den ’80ern tritt Dehoust als Redner für die NPD im Kreis Coburg auf.

Mitte der 70iger Jahre, genauer gesagt im Jahr 1976 gründete er in Coburg das HSA („Hilfskomitee Südliches Afrika e.V.“). Dieser Verein hat sich zur Aufgabe gemacht das damals noch herrschende Apartheidssystem in Südafrika zu unterstützen. Die stärkste Phase der HSA war Anfang der 90ziger Jahre. Heute hat sie an gesellschaftlicher Relevanz verloren. Zur Unterstützung der Konterguerilla für den Apartheidsstaat bei dessen allmählicher Auflösung gab es ein breites Bündnis der sogenannten bürgerlichen Mitte der CDU/CSU, dem Dt. Arbeitgeber-Verband und dem Coburger Convent bis hin zu faschistischen Parteien und Organisationen wie den Republikanern, der NPD, der DVU, der nationalistischen Front und der FAP (die letzten beiden sind inzwischen verboten). Auch ließen es sich große Unternehmen wie die Deutsche Bank, die Siemens AG und die Dresdner Bank nicht nehmen, das Apartheidsregime in Südafrika zu unterstützen. Die HSA trifft sich jährlich zum „Südafrikaseminar“ in Coburg, dieses Jahr am Wochenende des 17./18. Oktobers. Nähere Informationen dazu folgen in einem eigenen Artikel.

Dies sollte aber nicht die einzige Nazi-Organisation bleiben, die Dehoust mit gründete. So unterstützte er ’77 die Gründung der rechtsextremen „Deutsch-Südafrikanischen Gesellschaft“. Außerdem war er Gründungsmitglied der „Deutsche Allianz/Vereinigte Rechte“ (DA) die sich am 18.01.1991 in München gründete und ein extrem rechtes Sammelbecken für enttäuschte Nazis aus REP, NPD und FAP ist. Die DA nannte sich nur wenig später in „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ (DLVH) um.

Kommen wir aber nun zu Dehoust’s Tätigkeit als extrem rechter Publizist. Erfahrung hatte Dehoust schon während seiner Studienzeit in der Redaktion des „Dt. Studentenanzeigers“ erlangt; in der Nazi-Szene erlangte er mit der Zeit immer mehr Respekt und außerdem hatte er gute Verbindungen zum Nation Europa Verlags-Gründer und ehemaligen SS-Sturmbannführer Arthur Ehrhardt. Auf diese Weise erlangte er nach dem Tode Ehrhardts 1971 den Posten des „Hauptschriftleiters“ bei den Nation&Europa-Heften. Seid 1988 ist er Chefredakteur und Herausgeber der Hefte. Neben ihm sind noch Harald Neubauer (Ex-MdEP für REP, später DLVH) und der bereits verstorbene ehemalige NPD-Bundesvorsitzende Adolf von Thadden Herausgeber der Nation&Europa-Hefte. In seiner Funktion als Herausgeber sitzt Dehoust aka „Deckert“ auch im Vorstand der geschichtsrevisionistischen „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GFP), die ihre Bücher über die oft als „Zensur-Regime“ betitelte BRD bei Nation Europa verlegen lassen. Mit dem Wort Zensur ist der §130 StGB – also Volksverhetzung – gemeint. Im Rahmen seiner Arbeit für den Nation Europa Verlag und der HSA bot Dehoust Fahrten mit der Germania-Reisegesellschaft nach Südafrika für deutsche Nazis an, um Farmen „gleichgesinnter“ weißer Siedlern zu besuchen. Peter Dehoust war aber nicht nur ein Verbindungsmann für die Verschickung von Söldnern nach Südafrika, sondern erreichte mit seiner Tätigkeit für die HSA auch den rechten Flügel der Union. Selbst der ehemalige Coburger CSU-Oberbürgermeister Höhn schickte neben einigen CSU-MdBs Grußworte an das „Südafrikaseminar“. Als die Fascho-Skins an Bedeutung gewannen, war Dehoust begeistert: „Wir müssen uns dieser jungen Deutschen annehmen und froh sein, dass es nicht-angepaßte junge Deutsche gibt.“ (1987 im N+E-Themenheft „Skinheads – Buhmänner der Jugendkultur). Die Versorgung der Ostdeutschen Nazis mit Theorie übernahm der Nation Europa Verlag gleich mit. Nach der innerdeutschen Grenzöffnung wurden viele Fascho-Skins im Verlagsgebäude in der ehemaligen Adolf Hitler Straße – heute Bahnhofsstraße – gesichtet.

Das waren nur einige von Peter Dehousts Aktivitäten, aber diese sollten reichen um einen Überblick über den Umfang der Vernetzung und der Aktivitäten zu geben. Peter Dehoust ist eine schillernde Figur im deutschen und europäischen Rechtsextremismus, die weitgehend unbeobachtet und ungestört ihren vielfältigen Aktivitäten nachgehen kann.